Fernab der Heimat (Teil 8) - RB Leipzig Athletiktrainer Ruwen Faller

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Erschienen: 03. Dezember 2018 in der Badischen Zeitung

Und erreichte nur ein Jahr später mit der deutschen Staffel Silber bei der Hallen-Europameisterschaft. Wo Höhen sind, da lauern auch Tiefen. Ein schwerer Schicksalsschlag ereilte Ruwen Faller im Jahr 2001, als sein langjähriger Trainer und Entdecker Andreas Tölle bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. "Das hat mich damals schon sehr getroffen, und ich hatte an seinem Tod lange zu knabbern." Sein Trainer sei, neben seinen Eltern, der Mensch gewesen, der ihm beigebracht habe, dass, wenn man etwas leiste, einstecke und weiter mache, es meistens belohnt werde. Ein Ratschlag, den Faller auch heute noch befolgt und an die Fußballspieler weitergibt.

Anfangs war es für den Leichtathleten nicht leicht, ohne Andreas Tölle weiterzumachen und sich umzuorientieren, doch dann traf der Sportler auf Marco Kleinsteuber, der bis zum Ende seiner Karriere sein Trainer blieb.

Einer der Gründe für Ruwen Fallers Erfolg: Er ist ein Mensch, der sich immer wieder selbst anspornt, seine persönlichen Grenzen zu überwinden. Bei den Olympischen Spielen 2004 belegte er mit der deutschen 4x400 Meter Staffel den siebten Platz und nahm auch 2008 als Mitglied der deutschen Staffel bei den Olympischen Spielen in Peking teil.

Der heutige Athletiktrainer musste sich ab 2007 immer wieder wegen einer Verletzung an der Achillessehne behandeln lassen. Insgesamt fünfmal wurde Faller in seiner Profikarriere operiert. Doch er kämpfte sich immer wieder zurück an die Spitze der schnellsten Sprinter Deutschlands.

Als Leichtathlet ist man im Sport ein Einzelkämpfer. Nicht nur aus rein sportlicher Sicht, sondern auch aufgrund von finanziellen Belangen. Während Fußballspieler in Deutschland Millionen scheffeln, müssen andere Athleten oftmals nicht nur an ihrer sportlichen Konstitution feilen, sondern um ihr Auskommen bangen. Ruwen Faller bewies schon in seiner Jugend Köpfchen und machte nach der Schule neben dem Sport eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. "Mir war immer klar, dass man nicht ewig Leistungssportler sein kann. Daher wollte ich mir eine sichere Basis schaffen", erklärt der ehemalige Sprinter.

Dem nicht genug, studierte er per Fernstudium Sportmanagement und machte den Immobilienfachwirt. Als Berufssportler wurde Faller allerdings auch von Sponsoren und ab 1999 von der Bundeswehr-Sportförderung unterstützt. "Ohne diese Förderung hätte ich keine Chance gehabt, Berufssportler zu sein", sagt Ruwen Faller dankbar. Und fügt hinzu: "Ich habe meinen Traum gelebt. Es war zwar auch hart, aber ich möchte diese Zeit nicht missen. Ich habe gelernt zu kämpfen, mich durchzubeißen und egal was passiert – nie aufzugeben."

2009 startete Ruwen Faller ein letztes Mal bei einem großen Wettkampf – bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin im Olympiastadion. "Ich hatte damals schon seit Jahren Probleme mit der Achillessehne, aber es war mein großer Traum, in meinem Heimatland bei einer WM zu starten." Offiziell beendete Faller 2011 seine Laufbahn als Sprinter. Eine Entscheidung, die ihm nicht ganz leicht fiel. Doch er hörte auf seinen Körper. "Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr den Fuß im Sitzen bewegen, da habe ich gemerkt, dass es Zeit ist. Schließlich möchte ich mit meiner kleinen Tochter durch den Garten rennen können."

Zum Profi-Fußball kam der Athlet 2009. Neben seinem eigenen Training begann er, sich als Fitness- und Athletiktrainer bei einer Spielerberater-Agentur ein zweites Standbein aufzubauen. Bei seiner Arbeit für den Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach (heute dritte Liga) lernte Faller den Fußballtrainer Ralf Rangnick kennen, der ihn schließlich für Schalke 04 verpflichtete.

Fußball ist ein schnelllebiger Sport. Doch Ruwen Faller arbeitete insgesamt acht Jahre lang bei Schalke 04 und erlebte sieben verschiedene Trainer. Bei RB Leipzig wird er unter anderem mit seinen Athletikkollegen für die Trainingssteuerung, die Planung im athletischen Bereich, das Sprint- und Krafttraining sowie für die individuelle Betreuung von Spielern verantwortlich sein.

Mehr als ein Jahrzehnt gehörte Ruwen Faller zu den besten 400-Meter-Sprintern in Deutschland. Jetzt trainiert er als Athletiktrainer Fußballprofis. Der Spitzensportler ist in Wehr und Bad Säckingen aufgewachsen.

Ruwen Faller ist ein Athlet, wie er im Buche steht – groß, schlank und ein stählerner Körper vom Kopf bis in die kleine Zehenspitze. Er ist jemand, der genau weiß, was er will und was er tun muss, um dieses Ziel zu erreichen – er lässt nichts unüberlegt. Seine Hartnäckigkeit, Disziplin und unerschütterliche Willenskraft sind beinahe unvergleichlich.

Vor sieben Jahren beendete Ruwen Faller offiziell seine Karriere als Leistungssportler. Mehr als ein Jahrzehnt gehörte er zu den besten 400-Meter-Sprintern in Deutschland. Als Leichtathlet war er bei zwei Olympischen Spielen, sechs Weltmeisterschaften und mehreren Europameisterschaften dabei.

Der Name Ruwen Faller ist am Hochrhein vielen Menschen ein Begriff, zumindest den Sportenthusiasten. Aufgewachsen ist er in Wehr und Bad Säckingen. Nicht wenige Nachwuchsleichtathleten tragen in dieser Gegend seine Unterschrift auf der Trainingsjacke. Von 2011 bis 2018 arbeitete der Sportler als Fitness- und Athletiktrainer für den Bundesligisten FC Schalke 04. Sein neuer Arbeitgeber seit dem 1. Dezember heißt RB Leipzig.

"Die Entscheidung, nach beinahe acht Jahren von Schalke nach Leipzig zu wechseln, ist bereits im Sommer gereift. Doch nach so einer überragenden Saison, in der Schalke Vizemeister wurde, zu gehen, war auch schwer", sagt der ehemalige Sprinter. Er freue sich nun auf die spannende neue Reise, doch werde er den Königsblauen weiterhin die Daumen drücken – wenn sie nicht gerade gegen die Roten Bullen aus Leipzig spielen.

Bereits im Juli habe er mitbekommen, dass das Athletiktrainerteam bei RB Leipzig verändert werden solle. "Da auch ich nach einer neuen Herausforderung und nach einem Tapetenwechsel gesucht habe, passte es", berichtet Ruwen Faller. Der Spielstil der Roten Bullen mit der "Ralf Rangnick DNA" sei reizvoll und eine riesige Möglichkeit für ihn, seine Erfahrung der letzten Jahre bei dieser Mannschaft einzubringen.

Der Mann mit dem markanten Haupt wurde 1980 in Rheinfelden geboren und begann bereits mit sechs Jahren beim TV Wehr mit Leichtathletik. "Ich kam damals durch meinen besten Freund Simon David zum TV. Wir powerten uns zweimal die Woche so richtig aus", erzählt Faller lachend.

Der Spitzensportler war nicht von Anfang an ein Überflieger: "Noch mit zwölf Jahren war ich gutes Mittelfeld, würde ich sagen. Doch mit 14 Jahren hatte ich das große Glück, Andreas Tölle zu treffen." Der erfahrene Leichtathletiktrainer erkannte das Potential des jungen Sportlers und begann ihn zu fördern und zu fordern.

Neben der Schule und dem normalen Lebenschaos eines pubertierenden 14-Jährigen trainierte Ruwen Faller sechs Trainingseinheiten pro Woche. Das Pensum und die Erwartungen waren extrem hoch, ebenso die Entbehrungen. Es gab fortan kaum etwas anderes in seinem Leben als Sport.

Er verzichtete auf Schwimmbad- und Diskobesuche und sah seine Freunde nur selten. "Andreas sagte, wenn ich dieses Pensum sechs Monate durchziehe, dann werde ich Badischer Meister. Und genau so war es. Es machte richtig Spaß zu gewinnen, und daher nahm ich das alles gerne auf mich."

Nach dem ersten Ziel kamen weitere. Das Training wurde dann zunehmend leistungsorientierter und härter. Ruwen Fallers Disziplin und Wille sind außergewöhnlich. "Er ist der Läufer mit dem größten Siegeswillen, den ich je gesehen habe", sagte einst Andreas Tölle über seinen Schützling.

Der Sprinter wurde mehrfach Badischer Meister, siegte auf Landesebene und wurde deutscher Jugendmeister. Einer seiner größten Erfolge: Mit nur 19 Jahren gewann er bei den Leichtathletik-Europameisterschaften der Junioren im lettischen Riga als Sprinter Gold über 400 Meter im Einzel- und Staffelwettkampf.

Badische Zeitung Online: https://www.badische-zeitung.de/ruwen-faller-aus-wehr-ist-jetzt-athletiktrainer-bei-rb-leipzig

Nina Witwicki