Serie: Fernab der Heimat (Teil 2) - Synchronsprecher und Schauspieler Brian Sommer

Erschienen: 20. Juli 2018 in der Badischen Zeitung

Der Hochrhein ist ein guter Platz zum Leben. Es gibt viele Freizeitangebote und auch ausreichend Arbeitsplätze. Dennoch zieht es immer wieder Menschen weg, um anderswo ihr Glück zu finden. In der Serie „Fernab der Heimat“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die den Sprung gewagt und ihr Glück in der Welt gefunden haben. 

Ein Mann steht in einem kleinen dunklen Raum an einem Pult, einzig der Lichtkegel der Leselampe erhellt die Szenerie. Sein Blick ist konzentriert auf den Bildschirm vor ihm an der Wand gerichtet, nur ab und zu streifen seine Augen das Manuskript, das zu seinen Händen liegt, aus dem er laut vorliest. 

Brian Sommer lebt seit acht Jahren in Hamburg. Er ist Synchronsprecher, ausgebildeter Schauspieler, Künstler, gelernter Koch und zu alledem sehr bescheiden, wenn es darum geht, die eigene Karriere zu schildern. Die Stimme von Brian Sommer ist die eines jungen Mannes: Sie klingt frisch, angenehm und vertraut. Unbewusst ist sie dem ein oder anderen vielleicht aus der Werbung bekannt, schließlich lieh der 31-Jährige seine Stimme schon verschiedenen Werbespots beispielsweise für Puma, Axe oder Otto. Als hauptberuflicher Sprecher und Synchronsprecher übernimmt er aber auch Sprechrollen für Netflix-Serien und Kinofilme. 

Ein großer schlanker Mann, mit blonden Haaren und blauen Augen – ein sympathisches Lächeln. Brian Sommer wurde 1987 geboren und wuchs in Murg auf, er machte seinen Schulabschluss und ging in die Kochlehre. Soweit, so normal. Doch schon während der Ausbildung erkannte er, dass er etwas anderes im Leben machen möchte, weg von der Heimat und weg von allem, das er kannte. 

Er ging für ein Jahr als Koch in die USA und realisierte, dass er sich als Schauspieler profilieren möchte. Erste Hinweise für diese Leidenschaft gab es schon während der Kochlehre: „Ich habe in der Küche immer mit Shakespeare-Zitaten von Romeo und Julia um mich geworfen. Zum Geburtstag gab es dann Shakespeares gesammelte Werke, und ich habe sie verschlungen“, erzählt der 31-Jährige lachend. Die Schauspielerei reizte ihn, da er damals, aber auch noch heute, kein besonders extrovertierter Charakter sei und man als Schauspieler Seiten der eigenen Persönlichkeit ausleben könne, die man sich im Privatleben nie traue, herauszulassen. Zurück aus den USA heuerte Brian Sommer als Koch in Basel an und belegte nebenbei einen mehrwöchigen Schauspielkurs am Theater. 

„Ab der zweiten Stunde des Kurses wusste ich, dass ich wirklich Schauspieler werden möchte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion habe ich meinen Job hingeschmissen und bin nach Hamburg“, erzählt der 31-Jährige. Eine passende private Schauspielschule war schnell gefunden: die Schule für Schauspiel in Hamburg. Drei Jahre lang besuchte er Kurse in Improvisation, Tanz, Stimmbildung und Film- und Theaterschauspieltraining. Eine wunderschöne wie harte Zeit, denn die private Schauspielausbildung kostete 470 Euro pro Monat, hinzu kamen die Kosten zum Leben. 

Zeitweise hatte der junge Schauspieler zwei Jobs, nahm einen Kredit auf, lebte sparsam und ging regelmäßig zur Blutspende, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen. Er arbeitete als Kellner, als Statist und eine Zeitlang auch in einer Bäckerei, alles um seinen Traum zu verwirklichen. Brian Sommer hat das Herz eines Löwen, ist ein Kämpfer. Auf die Frage, ob er nicht irgendwann ausgebrannt gewesen sei, durch diese Überbelastung, antwortete er: „Ja es war hart, und ich war manchmal am Ende, aber ich habe für die Schauspielerei gebrannt.“ Die Schauspielschule habe ihm etwas gegeben, das er vorher nicht kannte: Zufriedenheit, sich erfüllt und komplett fühlen. In dieser Schule habe er gelernt, wer er wirklich sei, dies zu seiner Stärke gemacht und gemerkt, dass es auch gut sei, manchmal aus der Komfortzone herauszutreten und immer wieder eigene Grenzen zu überwinden. Seine bisher anspruchsvollste Rolle sei die eines Jungen gewesen, der weder lesen noch schreiben konnte. Für diese Rolle habe er gelernt zu rappen, zu singen und Breakdance zu tanzen. 

Nach dem Ende der Schule arbeitete der junge Schauspieler erst freischaffend, schloss sich theaterpädagogischen Projekten zur Prävention von sexueller Gewalt an, arbeitete zwei Jahre am Theater in Annaberg-Buchholz und baute seine Karriere als Sprecher auf.

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Mittlerweile ist Brian Sommer hauptberuflicher Sprecher und spielt nebenbei Theater. „Es war ein schleichender Prozess vom Schauspieler zum Sprecher“, erklärt er. Als Sprecher und Synchronsprecher machte er bereits Werbung für diverse namhafte Unternehmen wie VW und Iglo, sprach in Hörspielen wie bei den Drei-Fragezeichen-Kids und ist die Stimme von Charakteren in Computerspielen.

Erst vor kurzem wurde ein langgehegter Kindheitstraum war, indem er bei der Netflix-Kinderserie Power Rangers eine Sprechrolle übernehmen durfte. Er ist aber auch in der Serie The Crown zu hören, in Stranger Things 2 und demnächst in dem sozialkritischen Hollywoodfilm Kings. 

Badische Zeitung Online: https://www.badische-zeitung.de/laufenburg/brian-sommers-aus-murg-seine-stimme-ist-sein-kapital--154818189.html

Nina Witwicki